Sich mit dem Tod befreunden
Der Philosoph Wilhelm Schmid hat unter dem Titel »Den Tod überleben« ein sehr persönliches Buch über den Tod geschrieben. Aus Anlass des Krebstodes seiner Frau schreibt er als vom Tod Mit-Betroffener, versucht, sich schreibend klar zu werden, was in der Trauer geschieht und welche Haltung dem Tod gegenüber die richtige wäre. Immer wieder geht es um die Frage, wie mögliche Verbindungen über den Tod hinaus denkbar wären. Dabei hält er sich an Überzeugungen seiner Frau, die er gewissermaßen erbt. So war der Tod für sie nur eine Tür: »Abschied vom Erdenleben, Übergang in einen anderen Lebensabschnitt«, beschrieb sie kurz vor ihrem Ende den Tod. Schmid ist ein rational-analytischer Wissenschaftler und dennoch hat die Vorstellung von einem wie auch immer gearteten Überdauern des Todes eine gewisse Überzeugungskraft für ihn. So macht er die Erfahrung, auf eine tiefe Weise bleibend mit seiner geliebten Frau verbunden zu sein. Hilfreich ist ihm die Erklärung, dass Energie nicht verloren gehen kann. So wirkt auch ein Mensch, der stirbt, energetisch weiter. »Das Gefühl, dass sie energetisch bei mir ist, ist sehr stark. Tröstet mich das? Ja, sehr.« Auch schreibt er von der Hoffnung, einer »künftigen Wiederbegegnung im Meer der Energie«. Doch das neue Leben ohne die Geliebte ist eine harte Schule. Schmid beschreibt acht Phasen, die er durchlief: Verzweiflung, Hadern, Gespräche, Gewöhnung, Magie, Dankbarkeit, Diesseitigkeit, Heiterkeit. Schmid empfiehlt, den Tod nicht angstvoll zu verdrängen und zu beschweigen, sondern sich mit ihm zu befreunden, »ihn zu mögen wie einen verlässlichen Kollegen«. Denn der Tod gehört zum Leben und ermöglicht neues Leben. In gewisser Weise ist er des Lebens Sinn – er lässt die gegebene Frist als kostbar und wertvoll erscheinen. Doch immer wieder bringt der Tod den Menschen an den Rand des Tragbaren. Deshalb bedarf der Mensch des Trostes. Schmid beleuchtet verschiedene Wege des Trostes: Sinn tröstet – alles in größeren Zusammenhängen zu sehen und nicht nach dem »Warum«, sondern nach dem »Wozu« zu fragen; Sinnlichkeit erleben: Duft, schöne Umgebungen, Musik, Bewegung, Tanzen, gutes Essen; aber auch Beziehungen trösten – Schmid spricht von einer »Ummantelung durch Andere«; auch Lesen, Schreiben und Reden trösten; und eine Aufgabe tröstet, die etwa Hilfe für andere bewirkt. Am Ende lässt Schmid noch einmal den tiefsten Sinn seines Lebens aufleuchten: das Erlebnis einer großen Liebe. Er zeigt, was Menschen füreinander sein können – wie sehr sie einander durchtragen können durch dieses oft so herausfordernde Leben. Und wie unzerstörbar diese Verbindung der Liebe ist. Ein lebensweises und ungemein trostreiches Buch...
Sie lesen die Vorschau
Sie haben diese Ausgabe gekauft oder ein digitales Abo?
Dann melden Sie sich an, um den vollständigen Artikel zu lesen.
Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe {ausgabe}.

