»Älterwerden ist nichts für Feiglinge«, sagt mein Onkel Fritz gern, und der muss es wissen. Fritz wird in diesem Jahr neunzig und lebt mit meiner nur zwei Jahre jüngeren Tante Inge in einer jener ländlichen Regionen, in denen ein zweimal am Tag vorbeikommender Schulbus als »öffentliche Anbindung« durchgeht. Müssen die beiden einkaufen oder zum Arzt, entscheiden sie nach Tagesform, wer den Wagen steuert: Fritz, der auf einem Auge blind, auf dem anderen halbblind ist und dessen zum Bremsfuß gehörendes Knie bei jeder Beugung schlimme Schmerzen verursacht, oder Inge, die wegen ihrer Parkinsonerkrankung von ihm gefüttert werden muss. Das Älterwerden der beiden verlangt also nicht nur ihnen einigen Mut ab, auch ihren Mitmenschen. Spaß macht es eher nicht. Böte man den beiden eine Spritze an, die ihnen dieses Dasein um 20 oder 30 Jahre verlängern könnte, sie würden einen zweifellos auslachen...
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