Das Sterben in die Mitte holen
Als einen Weckruf wollen Annelie Keil und Henning Scherf ihr Buch »Das letzte Tabu« verstehen. Darin reden sie über das, was gerne außen vor gelassen wird: das Sterben und den Tod. Sie wollen mit ihren persönlichen Texten über das Leben mit dem Tod wieder vertraut machen mit dem Sterben. Der langjährige Bremer Bürgermeister Henning Scherf plädiert für einen Sinneswandel: »Wir brauchen eine neue, eine menschlichere, eine sozialere Sterbekultur!« Es gehe darum, das Sterben wieder in unser Leben zu integrieren und das bedeute zweierlei: »Darüber sprechen und füreinander da sein.« Er selbst ist in eine Hausgemeinschaft gezogen, in der sich die Bewohner gegenseitig unterstützen – auch bei der Pflege und Sterbebegleitung am Ende des Lebens. Unerträglich ist ihm der Zustand, dass das Sterben in die Krankenhäuser abgeschoben wird, in die sterile Umgebung der Hochleistungsmedizin. Die moderne Industriegesellschaft habe nicht nur unser Leben zugerichtet und eingetaktet, sondern auch unser Sterben. Scherf würdigt die Fortschritte der Palliativmedizin und Hospize, fordert aber darüber hinaus das ehrenamtliche Engagement jedes Einzelnen. Denn Menschlichkeit am Lebensende bedeute vor allem: beieinander bleiben. »Dieses ›Ich-wende-mich-dir-zu‹ müssen wir wieder lernen. Wir müssen lernen, es auszuhalten, dass es einem unserer Lieben nicht gut geht, und trotzdem nicht wegzurennen, sondern dazubleiben.«..
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