Was tun, wenn alte Menschen nicht mehr leben wollen? Wird über das Thema »Pflege« berichtet, geht es meistens um Behandlungsfehler und Personalmangel. Um den Tod geht es selten. Dabei sind die Pflegekräfte täglich mit dem Sterben konfrontiert. Besonders schwierig ist das, wenn alte Menschen laut und deutlich sagen: Ich will nicht mehr leben. Wie soll man damit umgehen? Feldstudien im Graubereich der Ethik.
Der Frühstückstisch in der Wohngruppe im »Sonnenhof« in Ebenhausen in der Nähe von München ist gerade abgeräumt. Angelika, die Betreuungskraft, packt einen Stapel Karten aus. »Sollen wir ein paar Sprichwörter raten?«, fragt sie laut. »Wie gewonnen, so …«, liest sie vor und schaut in die Runde. »… so zerronnen«, sagt mit monotoner Stimme eine weißhaarige Frau, deren Blick ganz nach innen gerichtet scheint. Ein Herr mit starken Brillengläsern erhebt sich, nickt, schiebt seinen Stuhl akkurat an den Tisch und geht. Am Tischende schnaubt eine Dame verächtlich und schüttelt den Kopf. Eine andere döst mit halbgeschlossenen Augen; nur einmal taucht sie für eine Antwort aus ihren Gedanken auf. Im Hintergrund verfolgt eine Frau andere Bewohner, packt sie am Arm, um mit ihnen zu reden. Wieder eine andere betrachtet nachdenklich ihre zusammengeknüllte Stoffserviette. Schließlich beginnt sie, damit energisch die Möbel zu polieren...
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