Wenn der Tod ruft. Sterbehilfe kontrovers

Titelseite: Wenn der Tod ruft. Sterbehilfe kontrovers
Ausgabe 2015/02

Inhalt

Sterbehilfe im Kino

Von Kurt W. Schmidt


  • Foto: Steffen Giersch
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  • Dr. theol. Kurt W. Schmidt (* 1959) leitet in Frankfurt am Main das Klinische Ethik-Komitee am Agaplesion Markus Krankenhaus und das dortige Zentrum für Ethik in der Medizin. Als Leiter der Arbeitsgruppe »Medizinethik im Film« ist ein Schwerpunkt seiner Arbeit die Darstellung medizinethischer Konflikte sowie Krankheit, Sterben und Tod im Spielfilm. Hierzu hat er verschiedene Beiträge veröffentlicht und greift diese Thematik regelmäßig in Fortbildungsveranstaltungen auf.Foto: privat

Der Spielfilm setzt beim Thema Sterbehilfe andere Schwerpunkte – und bereichert dadurch die aktuelle Debatte

Das Kino ist seit jeher daran interessiert, Gefühle und Emotionen hervorzurufen. Deshalb verwundert es nicht, dass ein so stark emotional besetztes Thema wie die Sterbehilfe immer wieder im Spielfilm aufgegriffen wird, allerdings nicht in der Struktur einer Podiumsdiskussion mit einem – mehr oder minder – nüchternen Austausch rationaler Argumente. Erzählt wird im Kino vielmehr eine Geschichte, eine Story, die uns ergreift, weil wir in die Biografien der Patienten bzw. beteiligten Personen eintauchen. Dem Film will es gelingen, uns emotional zu berühren und egal mit welchen eigenen Ansichten zur Sterbehilfe wir in die Story des Films eintreten, wir werden gezielt in moralische Dilemmata geführt, die in der Lage sind, auch scheinbar feste Meinungen ins Wanken zu bringen. Dies gelingt vor allem durch einen dramaturgischen Kunstgriff, der auch Bedeutung für die aktuelle Debatte hat: Die Betonung der besonderen persönlichen Beziehung zwischen den Beteiligten. So bittet der Patient im Spielfilm nicht irgendwen, sondern ganz bewusst und gezielt eine ihm besonders nahestehende Person um Sterbehilfe bzw. um persönlichen Beistand in der anvisierten Sterbestunde. Das kann die Geliebte sein (DAS MEER IN MIR, ESP 2005), der Ehepartner (MEIN LEBEN GEHÖRT MIR, D 2003), die Mutter/ die Schwester (UND MORGEN MITTAG BIN ICH TOT, D 2013) oder ein enger Freund (EIN HERZ IM WINTER, F 1992). Häufig ist diese Person beruflich ein Arzt oder eine Krankenschwester (DER ENGLISCHE PATIENT, USA/UK 1996), nicht zuletzt um dadurch das praktische Problem zu lösen, wie der Sterbehelfer überhaupt an das tödliche Medikament gelangen kann. Die dramaturgische Zuspitzung, der sich im Kino letztlich kein Zuschauer entziehen kann, gipfelt in dem scheinbar paradoxen Schlüsselsatz des Patienten: »Wenn du mich wirklich liebst, dann hilfst du mir zu sterben!« So versucht in DAS MEER IN MIR (ESP 2005) die alleinerziehende Rosa den querschnittsgelähmten Ramon von seinem Vorhaben abzubringen, sein Leben zu beenden. Bald streiten beide um die Wahrhaftigkeit der Liebe, und Ramon wirft ihr vor: »Und wenn du mich gegen meinen Willen zurückhalten willst, ist das für dich Liebe?« (Rosa kämpft mit den Tränen.) »Im Gegenteil ... im Gegenteil! Wer mich wirklich liebt, der wird mir nämlich dabei helfen, mir das Leben zu nehmen.« (Rosa schüttelt den Kopf und kämpft weiter mit den Tränen. Ramon wird ruhig, mit fester Stimme.) »Das heißt, mich lieben, Rosa. Das ist Liebe!«..

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