Endlichkeit

Wandel der Trauerkultur

Titelseite: Endlichkeit
Ausgabe 2024/01

Inhalt

Literatur



Raus aus der Bitterkeit!

Immer stärker scheinen Hass, Hetze, Missgunst und Feindseligkeit zu grassieren. Es ist eine Zeit der Ressen­timents. Die französische Philosophin und Psychoanalytikerin Cynthia Fleuthy hat in ihrem neuen Buch »Hier liegt Bitterkeit begraben« dieses Phänomen auf die Couch gelegt und Wege zur Überwindung aufgezeigt. Sie diagnos­tiziert: »Das Ressentiment ist auf dem Vormarsch, fest in den Herzen und Diskursen verankert und bereit, Ansprüche zu stellen.« Wichtig ist aus ihrer Sicht, das Ressentiment zu durchschauen und es als eine trügerische Ersatzhandlung zu erkennen: Es tritt auf, um eine erlittene Ausgrenzung, Abwertung, Benachteiligung, Kränkung, Verletzung, Zurückweisung, Einschränkung zu kompensieren. Doch es löst und heilt nichts, sondern ist nur eine negative Energie, die einen im Schmerz gefangen hält. Das Ressentiment, die Bitterkeit, hat einen hohen Preis. Denn »der Hass auf die anderen trocknet die Seele aus und macht jeden Bereich zu einer Wüste«. Das Problem ist, dass der Mensch des Ressentiments Fleuthy zufolge in der Rolle des Opfers verharrt und nur andere verantwortlich macht für die Misere. Wichtig wäre es aber, die Perspektive zu öffnen, in die Kreativität zu finden und an die Stelle negativer Lebensenergie eine positive zu setzen. Man müsse vom Groll und von der Klage Abstand nehmen, »um nicht davon zerfressen zu werden und an einer Wut festzuhalten, die einen verzehrt«, so Fleuthy. Ein Ausweg wäre, die »Kunst der Bitterkeit« zu erlernen. Also das, was einen verbittert, zu verwandeln in etwas Neues, in den Prozess des Erschaffens, des Aufbrechens zu gelangen. So gilt es, den Verlockungen der Verbitterung zu widerstehen und immer wieder das Leben, das Schöp­ferische zu wählen. Das heißt im gesellschaftlichen Bereich auch, dem Populismus zu widerstehen, der »einzig im Register von Passivität-­Aggressivität« verbleibt. Fleuthy schlägt den Weg des Denkens und Durcharbeitens vor, um Negatives zu begraben und zu neuen Ufern auf­zubrechen. Helfen können die Gemeinschaft, die Liebe und die Freundschaft, die Kraft des Humors, die Neugier, die Kunst, die Symbolisierung, kurz: »die Schaffung einer gemeinsamen Welt und die Ich-­Erweiterung«. Dazu gehört, die Begrenzungen dieses Lebens zu akzeptieren und statt auf große und absolute Erlösungen zu warten, sich selbst in das Leben hinein­zuwerfen und seinen kleinen Teil zu ergreifen und zu gestalten. Es gilt, nicht im Bitteren zu versinken, sondern es so anzunehmen und zu gestalten, dass es eine nicht geahnte Süße freigibt...

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