Wie lebt man mit den Toten? Wie lebt man mit dem Tod? Diese Fragen sind der rote Faden in dem neuen Roman »Winterbergs letzte Reise« des tschechischen Schriftstellers Jaroslav Rudiš. Darin beschreibt er eine Eisenbahnreise des 99-jährigen Wenzel Winterberg quer durch Mitteleuropa – gemeinsam mit seinem Pfleger und Sterbebegleiter Jan Kraus. Von Berlin geht es über Liberec/Reichenberg, Prag, Wien und Budapest. Dabei lässt sich Winterberg von einem Baedeker-Reiseführer für Österreich-Ungarn aus dem Jahr 1913 leiten. Es ist eine Reise in die Vergangenheit – auf den Spuren der großen Tragödien des vergangenen Jahrhunderts, in den Furchen der Verluste, auf der Suche nach dem Verlorenen. Winterberg ist nach dem Zweiten Weltkrieg als Sudetendeutscher aus seiner Heimatstadt Reichenberg vertrieben worden – und Straßenbahnfahrer in West-Berlin geworden. Obwohl sein Traumberuf Lokomotivführer gewesen ist. Es ist einer von vielen Kompromissen, die Winterberg in seinem Leben hat machen müssen. Die Zerrüttungen Mitteleuropas, die vielen Kriege, Gräuel und Vertreibungen der letzten 150 Jahre scheinen durch Winterberg, durch seine Familiengeschichte, durch seine Lebensstationen hindurchzugehen. Angefangen vom Deutschen Krieg 1866 mit der verlustreichen Schlacht bei Königgrätz bis zum Hitlerschen Weltenbrand, in dessen Folge die zwei größten Verluste Winterbergs geschahen: der Verlust der Heimat und der Verlust der Liebe seines Lebens...
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